Autoindustrie: Künftiger Investitionsbedarf erfordert überzeugende Kapitalmarktstrategien

Autoindustrie vor dreistelligen Milliardeninvestitionen – Kapitalmarktperformance gewinnt damit neue Priorität – Deutsche Hersteller gut positioniert

DÜSSELDORF. Nach einem bisher sehr erfolgreichen Jahr steuert die weltweite Automobilindustrie 2011 auf einen geschätzten Jahresgewinn von fast 60 Mrd. US-Dollar zu und erreicht erstmals wieder das Gewinn-Niveau des Vorkrisenjahrs 2007. Die Entwicklung neuer Antriebs- und Sicherheitstechnologien, neue Wertschöpfungsketten für die Produktion von Elektroautos und die Markterschließung in Schwellenländern erfordern jedoch schon in den nächsten Jahren enorme Investitionen. Allein die gesetzlich vorgeschriebene Erreichung der CO2-Ziele zwingt die deutschen Hersteller bis 2020 zu Investitionen von rund 115 Mrd. Euro. Die Wertschätzung der Investoren und der Zugang zu externer Finanzierung gewinnen vor diesem Hintergrund neue Priorität für die Autobranche. Eine weltweite Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company belegt: Attraktive Renditen für Investoren erzielen Hersteller, die die Skalenvorteile der Volumenproduktion konsequent ausschöpfen oder die auf ein Hochmargenmodell setzen. Breite Mischstrategien oder reiner Volumenfokus erbringen hingegen weniger Rendite und dürfte somit den Zugang zum Kapitalmarkt mittelfristig erschweren.

McKinsey hat die Kapitalmarktperformance von rund 100 Herstellern und Zulieferern anhand des Total Return to Shareholder (TRS) untersucht, der die Aktienrendite als Summe von Kursentwicklung und Dividende repräsentiert. Durch Aufspaltung der TRS-Werte in vier zentrale Finanzkennzahlen ermittelten die Berater, wie viel Wert für den Investor jeweils auf Wachstum, Profitabilität, Kapitalproduktivität oder die Veränderung der  Kapitalmarkterwartungen zurückzuführen ist. Diese Finanzkennzahlen wurden zudem auf industrieübliche operative Stellgrößen heruntergebrochen. „Die Verwendung von rein finanzorientierten Kenngrößen durch Investoren und der häufig durch operative Messgrößen geprägte Blick von Automobilmanagern erschweren teilweise die effiziente Strategiediskussion“, kommentiert Philipp Espel, Leiter der Studie und Partner bei McKinsey. Ziel der Untersuchung ist, beide Betrachtungsweisen zu verbinden, um die Erfolgsfaktoren guter Kapitalmarktperformance besser zu verstehen.

Die Analyse zeigt: Reine Größe bzw. ausschließlich hohe Stückzahlen sind alleine keine erfolgsrelevanten Kriterien. „Zwischen den großen Anbietern mit mehr als fünf Millionen Einheiten pro Jahr liegt eine Performance-Bandbreite von bis zu 30 Prozentpunkten Aktienrendite pro Jahr“, erklärt Detlev Mohr, Leiter des europäischen Automobilberatungsgeschäfts bei McKinsey. Entscheidend ist vielmehr die Umsetzung von Größe in Effizienz- und Effektivitätsvorteile: Volumenanbieter, die die Stückzahl erfolgreich in Skaleneffekte und Kostenvorteile übersetzen, beispielsweise durch intelligente Modulstrategie, haben die höchste durchschnittliche Kapitalproduktivität (Faktor 10) der Branche erzielt und wiesen 2010 eine solide Marge von über 5 Prozent auf.

Dagegen stellen Strategien, die auf reines Volumenwachstum zielen, langfristig keine Rentabilitätsgarantie dar, da sie nur eine durchschnittliche Marge von 2 Prozent erlauben. Auch Unternehmen, die sich breit über heterogene Segmente positionieren, haben neben geringer Kapitalproduktivität besonders niedrige Margen von durchschnittlich 1 Prozent erzielt.

Eine ähnlich positive Aktienrendite wie bei den Skalen-Volumenherstellern haben die McKinsey-Berater dagegen bei Anbietern mit klarer Hochmargen-Strategie gefunden: „Stärke dieses Geschäftsmodells, das in den vergangenen fünf Jahren ebenfalls deutlich zweistellige Aktienrenditen erreichte, ist die hohe Margenstabilität, die mit durchschnittlich 8 Prozent um das Doppelte über dem Industriedurchschnitt liegt“, erklärt Andreas Tschiesner, Leiter des deutschen Automobilberatungsgeschäfts bei McKinsey. Seine positive Aktienrendite verdankt dieses Geschäftsmodell auch emotionalen Faktoren: „Starken, emotional aufgeladenen Marken bringt der Kapitalmarkt besonders hohes Vertrauen entgegen, das die Kursentwicklung implizit positiv beeinflusst“, so Tschiesner.

McKinsey hat den „TRS Decomposition“-Ansatz weiterentwickelt, um insbesondere Herstellern und Zulieferern mit unterdurchschnittlicher Kapitalmarktperformance Empfehlungen für die künftige strategische Ausrichtung geben zu können. Die Berater simulieren dabei durch Rückberechnungen anhand aktueller Aktienkurse, in welchen Bereichen diese Unternehmen ihre Kapitalmarktperformance besonders nachhaltig optimieren können.

Für Anbieter, die bisher vor allem auf Größe gesetzt haben, liegt beispielsweise der Schlüssel zum Kapitalmarkterfolg darin, die Größenvorteile in entsprechende operative Skaleneffekte bei Personalproduktivität, Einkaufsmacht, Fixkostendegression oder Auslastungsgraden zu übersetzen.

Herstellern mit Misch-Strategien empfiehlt McKinsey eine strategische Fokussierung, um dauerhaft unterdurchschnittliche Aktienrenditen zu verhindern. Ergänzend zu den dargestellten traditionellen Erfolgsmodellen des Skalen-Volumenherstellers oder des margenreichen Nischenanbieters könnten diese Hersteller auch eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells in Betracht ziehen, beispielsweise die Fokussierung auf Mobilitätsdienstleistungen oder auf Einzelsegmente der Wertschöpfungskette.

 
 
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